Chinesische Jaden, echt oder falsch, alt oder neu?!
Die Frage: Echt oder falsch, alt oder neu!? (diese Frage ist rhetorisch, sie lässt sich natürlich nicht aufgrund eines Bildes beurteilen)
Aussage: Die JADE ist falsch oder ganz neu!

Ohne Beweisführung und Erklärung zu sagen eine Jade ist falsch oder ganz neu, obwohl eine Oberflächenveränderung der Jade vorliegt, ist gedankenlos und unprofessionell!

Lassen Sie sich durch solche Bemerkungen nicht die Sammelfreude an diesen wunderbaren Kunstwerken der chinesischen Kultur nehmen!

Viele Sammler schöner Jaden sind durch derartige gedankenlose Bemerkungen verunsichert. Hier einige Hinweise als Entscheidungshilfe!

Fragen zur Echtheit und dem Alter von Jaden:

Grundsätzlich: Schöne, perfekte Jaden lassen sich altersmäßig NICHT bestimmen!

Einzige Bestimmungskriterien wären Aufwand, Schnitttechnik und Stil, ev. noch das Material. Aber das alles lässt sich nahezu perfekt kopieren!

Bei Jaden die sich mineralogisch durch lange Bodenlagerung verändert haben ist das anders! Hier hätte man zumindest chemisch/mineralogische Anhaltspunkte die einer Untersuchung und Echtheitsbestimmung einer Jade standhalten könnten. Restlose Sicherheit gibt es zur Zeit NICHT!!!

Hier lässt sich schon erkennen, dass eine kalzinierte bzw. kontaminierte Jade kunsthistorisch wesentlich wertvoller sein kann als eine fehlerlose, schön glänzend verarbeitete Jade.

Was bedeutet Kalzinierung oder Kontamination einer Jade?

Hinweis: Um einer Wortklauberei vorzubeugen: Die Kalzinierung von der hier die Rede ist, ist KEINE „Blumentopf“ Kalzinierung wie sie an länger benutzten Blumentöpfen entsteht, diese Schichten lassen sich mühelos entfernen und sind sicherlich kein Altersmerkmal.

Die Kalzinierung/Kontaminierung von der hier gesprochen wird ist eine mineralogische und farbliche Veränderung der Jadestruktur die nicht nur oberflächlich ist, sondern in die Tiefe des Materials geht. Sie entsteht in einem langen Zeitraum durch chemische Reaktion mit Bodenmineralien, Säuren, Pflanzenwurzeln und Beigaben der Gräber in denen viele Jaden gelegen haben. Diese Kontamination kann sehr verschiedenartig in Farbe und mineralogischer Zusammensetzung sein und lässt sich sehr schwer fälschen, obwohl einige „Experten“ das für möglich, bzw. für sehr einfach halten.

Auf was könnte man achten?

Hier sollte man auf die Vielfarbigkeit und Vielfältigkeit einer kontaminierten Jade achten, – je farblich und mineralogisch unterschiedlicher sie ist, desto sicherer kann man sein, dass es eine alte Jade ist. Eine chemisch- mineralogische Untersuchung könnte Gewissheit bringen, wobei schon ein Auflichtmikroskop bei entsprechender Erfahrung gute Dienste leisten kann. Schwierig kann das ganze werden, wenn bei der Herstellung einer neuen Jade alte verwitterte Jade verwendet wird. Hier bedarf es schon einiger Erfahrung um zu erkennen, ob es sich um eine alte oder neue Arbeit handelt!

Weitere Oberflächenbeschaffenheit

Um ein ansehnlicheres Erscheinungsbild alter Jaden zu erreichen, werden diese von den meist unqualifizierten chinesischen Ausgräbern mit modernen Geräten und Schleifmitteln mehr oder weniger fachkundig gereinigt und anschließen gewachst. Daraus resultieren natürlich moderne Bearbeitungsspuren auf der Jadeoberfläche die schnell von ungeübten Personen und sogenannten "Experten" als Fälschung für die ganze Jade interpretiert werden. Doch oft bleiben bei einer kontaminierten Jade die gereinigt wurde, genügend Reste der alten Echtheitsmerkmale zurück, die dann aber, aus welchen Gründen auch immer, ignoriert werden. Die Jade wird aus Unkenntnis schlicht als Gesamtfälschung eingestuft und das oft ohne den schlüssigen Beweis für diese Behauptung zu erbringen!

Beispiel kontaminierter und fundbelassener Jaden die vielleicht einmal gereinigt werden. Diese Reinigung wird sicherlich moderne Bearbeitungsspuren hinterlassen!

Eine weitere Überlegung:

Der Arbeitsaufwand im Vergleich zum Preis-Leistungsverhältnis. Dabei ist zu beachten, dass Jadeite und Nephrite sich auch mit modernen Arbeitsmitteln nur mit großem Aufwand sehr schwer bearbeiten lassen.

Stellen wir uns den Arbeitsablauf einmal vor Augen: Erst einmal muss eine aufwendig gearbeitete Jade hergestellt werden. Danach müsste sie künstlich gealtert werden, was nochmals einen hohen Arbeitsaufwand darstellt und aufgrund verwendeter Chemikalien und Mittel nicht ungefährlich (gesundheitsschädlich) ist. Hersteller und Fälscher können natürlich verschiedene Personen sein. Das ändert aber nichts an der Gesamtsituation. Wir reden hier von der Preisdifferenz einer schönen Jade, die zu einer etwas unansehnlichen Jade wird! Hier sei die Frage gestellt: Was lässt sich leichter verkaufen?

Was hat es mit dem Ertasten von Jade auf sich?

Um diese Frage zu beantworten müsste man erst einmal die Begriffe Jade, aus dem Spanischen(yjada) und Yu, aus dem Chinesischen , beleuchten. Kurz gesagt: Beide Begriffe umfassen eine Vielzahl von Mineralien. Wir wollen hier nur die 2 Mineralien betrachten die landläufig als Jade bezeichnet werden, den Nephrit und den Jadeit. Bei beiden Bezeichnungen handelt es sich um zwei grundverschiedene Mineralien die völlig unterschiedliche Strukturen aufweisen, aber im Volksgebrauch gemeinsam als Jade bezeichnet werden.

Kurz zur Mineralogie: Jadeit ist ein Natrium-Aluminium-Silikat und gehört zur Pyroxen-Gruppe. Härtegrad je nach Qualität etwa 6-7, Mineralgefüge fein-grobblockig-armorph.

Nephrit ist ein wasserhaltiges Calcium-Ferro-Magnesium-Silikat und gehört zur Amphibol-Gruppe, Härtegrad je nach Qualität etwa 6-6,5, Mineralgefüge feinfilzig strukturiert was die hohe Zähigkeit des Minerals erklärt.

Was hat das nun mit dem Ertasten von Jade zu tun? Bei den Chinesen steht der Nephrit und Jadeit in der Wertigkeit am höchsten und da viele ähnlich aussehende Mineralien z.B. Serpentinit u.a. optisch sehr schwer von diesen von einander zu unterscheiden sind, haben es einige Chinesen und inzwischen auch andere Personen gelernt das unterschiedliche Mineralgefüge von anderen Steinen durch betasten zu unterscheiden. So können sie bis zu einem gewissen Grad erkennen was echter Nephrit-Jadeit ist und was nicht.

Damit ist die Zielsetzung klar: Durch intensives betasten möchte man festzustellen was echter Nephrit-Jadeit (yu-zhenyu) ist und was nicht! Hier kann es bei Jadearbeiten schon zu Irritationen über echt oder falsch kommen, wenn das Ziel der Betastung nicht klar definiert ist!

Kann man nun durch betasten feststellen ob eine Nephrit- oder Jadeitarbeit alt ist? Grundsätzlich NEIN, denn dann würde man sich im esotherisch-mystischen Bereich bewegen!

Ausnahme: Der Nephrit und andere weichere Mineralien werden schon seit Jahrtausenden von chinesischen Steinschneidern für ihre Jadearbeiten verwendet, Jadeit aber erst seit ein paar Jahrhunderten. Damit könnte man bei Feststellung ob es sich um Nephrit oder Jadeit handelt, eine zeitliche Eingrenzung der Arbeit vornehmen! Sicherlich kann dieses Thema ausführlicher beschrieben werden doch ist erkennbar, dass bei Ertastung der Jade auf jeden Fall die Frage der Zielsetzung gestellt werden sollte.

Hinweis: Bei kontaminierten Jadeoberflächen kann man oft sehr deutlich die "verfilzte" typische Nephritstruktur erkennen. Das könnte einem hilfreich sein das Material als Nephrit zu identifizieren und somit die Arbeit in entsprechende Zeiträume einzuordnen. Das spricht sicherlich wieder dafür eine kalzinierte (teilweise kalzinierte) Jade zu erwerben!

Fazit dieser Darlegungen:

Wirtschaftlich und psychologisch würde es sich wohl kaum rechnen neue und ev. dann noch künstlich gealterte Jaden für ein paar Dollar zu verkaufen! Das wäre jedoch ganz anders, wenn man günstig an solche Jaden herankommt- sie also findet!! In die Überlegung mit einbeziehen sollte man auch, dass selbst bei einem extrem niedrigen Arbeitslohnniveau (z.B. in ländlichen Bereichen Chinas), die Jade (Nephrit) als Rohstoff in China immer noch einen hohen Materialwert besitzt.

Wie kann sich nun ein Sammler beim Erwerb dieser schönen Kunstwerke größere Sicherheit verschaffen? Am Anfang der Sammeltätigkeit wäre es angebracht zu versuchen erst einmal kleine, einfache, aber definitiv echte Jaden zu erwerben. Entsprechende Fachliteratur und Museumsbesuche könnten dazu beitragen sich eine relative Sicherheit zu verschaffen. Im Vordergrund steht somit die eigene Schulung! Vielleicht sind diese Darlegungen, die wegen der Komplexität der Angelegenheit sicherlich nicht vollständig sind, eine Hilfe gewesen.

Die angebotenen Jaden wurden als Sammler direkt nach der politischen Öffnung Chinas erworben - damals wussten die meisten noch nichts über chinesische Jaden, daher war ein kommerzieller Fälschermarkt kaum vorhanden - das ist heute anders!

Hinweis: Diese Überlegungen stellen keine wissenschaftliche Abhandlung dar, es ist lediglich eine Kurzfassung die den vielen Sammlern wunderschöner Jaden helfen soll das Gesamterscheinungsbild einer Jadearbeit etwas sicherer und neutraler zu beurteilen.

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